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Acatis ist jetzt zweitgrößter Investor bei Grenke

Der Asset Manager hat die Allokation in allen Fonds erhöht – mit Ausnahme der ESG-Strategie – und hält nun fast 10% des Baden-Badener Unternehmens.

Acatis ist jetzt zweitgrößter Investor bei Grenke

Hendrik Leber, Fondsmanager und Gründer von Acatis, hat seine Asset-Mangement-Boutique zum zweitgrößten Anteilseigner der Leasinggesellschaft gemacht. Das veröffentlichte das Unternehmen in seinem Investmentbericht für Oktober 2020. Nach den jüngsten Aufstockungen im September hält Acatis nun rund 10% der Stimmrechte der Grenke AG. Hinzu kommen weitere Aktien in Beratungs- oder Managementmandaten sowie Anleihen mit einem Nominalwert von €79 Millionen. 

Der britische Asset Manager Jupiter war zuvor der zweitgrößte Anteilseigner gewesen, hatte seinen Grenke-Anteil jedoch fast halbiert, nachdem Grenke Ziel einer Leerverkaufattacke wurde. Acatis-Chef Leber (im Bild) hielt den Abverkauf der Grenke-Aktie dagegen für eine Kaufgelegenheit. Im September sagte er gegenüber Citywire Deutschland, dass Acatis kräftig eingekauft und über alle Fonds hinweg rund 600.000 Anteile des Unternehmens erworben habe

„Wir halten einen Großteil der Vorwürfe für heiße Luft. Die Kursrückgänge jedoch waren real. In unseren Nachhaltigkeitsfonds haben wir Grenke-Positionen aus Governance-Gründen verkauft. In den anderen Fonds haben wir die Position jedoch deutlich aufgestockt“, schreibt Acatis im aktuellen Bericht. 

Acatis zählt Grenke seit April 2009 zu ihren „Lieblingsinvestments”. Obwohl manche Acatis-Fonds wegen der Grenke-Position zwischenzeitlich Wertverluste hinnehmen mussten, ist die Boutique überzeugt, dass sie keinen Analysefehler gemacht hat. Im aktuellen Investmentbericht nennt Acatis Gründe und Hintergründe zur Grenke-Position in neun Punkten:

1. Erst die Glaubwürdigkeit einschätzen 

Acatis habe seit Enron immer wieder Leerverkäufe erlebt. Manchmal seien sie gerechtfertigt – wie bei Enron oder Wirecard – manchmal nicht. Die Kosten der Abwehr einer solchen Attacke seien laut dem Unternehmen sehr hoch. Der Anfangseinsatz des Shortsellers sei es nicht. Manchmal reiche schon ein bloßes Gerücht. „Um die Situation einschätzen zu können, ist es wichtig, die Glaubwürdigkeit des Shortsellers und die Stringenz seiner Vorwürfe zu untersuchen. Im vorliegenden Fall Grenke sind die Vorwürfe heiße Luft, und die Glaubwürdigkeit des Angreifers liegt unterhalb des Gefrierpunkts“, so Acatis. 

2. Ein unglaubwürdiger Angreifer 

Eine Firma Viceroy Research, die sich als Auslöser der Attacke sieht, wurde durch einen Treuhänder in Wilmington, Delaware an einer Sammeladresse registriert. Hinter Viceroy Research stehe der Shortseller Fraser Perring. Die Foundation of Financial Journalism nannte Perring in einem Medienbericht einen erstklassigen Scharlatan, was Acatis hinterfragen ließ, ob er wirklich eine dauerhafte Bedrohung für Grenke darstelle. 

3. Wer ist der unbekannte Kläger? 

Für Acatis seien die Behauptungen vom 15. September zwar umfangreich, in sich jedoch nicht stimmig. Keiner der Berichte enthalte einen Absender oder einen Verfasser, was für ihn weitere Bedenken der Glaubwürdigkeit dieser Aussagen aufwerfe. „Weder das beschuldigende Dokument noch die Website haben eine Adresse oder einen Absender. Warum?“, schreibt das Unternehmen im Investmentbericht. 

4. Die Angst vor einem zweiten Wirecard 

Nach den Anschuldigungen von Viceroy Research halbierte sich der Aktienkurs von Grenke und die Anleihen von Grenke wurden zu Ausverkaufspreisen auf dem Markt verkauft – laut Acatis ohne jegliche Prüfung diese Vorwürfe. „Nach Wirecard wollte kein deutscher Asset Manager mit einer Problemfirma in Verbindung gebracht werden. Die meisten unserer Gesprächspartner der letzten Wochen hatten die Anschuldigungen nicht im Detail gelesen. Nicht die Substanz der Vorwürfe, sondern das Karriererisiko lösten die Verkäufe aus“, so das Unternehmen. 

5. Überprüfung der Vorwürfe 

Aktuell führen die deutschen Behörden öffentlichkeitswirksam Untersuchungen gegen Grenke durch. In Presseberichten wurden acht Geldwäsche-Verdachtsmeldungen unter Einbezug von Grenke genannt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass daran etwas dran ist, ist sehr gering“, schreibt Acatis.

6. Persönliche Einschätzung 

„In unserer Einschätzung sind die meisten Anschuldigungen gegen Grenke belanglos und aufgeplustert. Die Details mögen im Einzelfall auch mal stimmen, aber sie zeichnen nicht das Bild einer kriminellen Firma wie es etwa bei Wirecard der Fall war“, so Acatis. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass der Wirtschaftsprüfer KPMG vergessen hätte, die Saldenbestätigungen der Banken einzuholen, die Bestandskraft der Leasingverträge zu untersuchen und die Rückstellungen für Kreditausfälle in ihrer Höhe zu verifizieren. 

7. Bedenken 

Wolfgang Grenke behauptet laut Acatis, dass er seit 2014 die Grenke AG nicht kontrolliert habe. „Da fragt man sich schon, wie er denn seine Rolle als Vorstandsvorsitzender oder als Aufsichtsrat und größter Aktionär der Grenke AG verstanden hat“, so die Boutique. „Unsere Interpretation: Ja, es gab related party transactions, und man hätte sie offenlegen müssen. Gleichzeitig denken wir aber nicht, dass der Grenke AG dadurch ein wesentlicher Schaden entstanden ist.“ Nicht Grenke, sondern Wolfgang Grenke sei in der Bringschuld, heißt es.

8. Abverkauf in der ESG-Strategie 

Aufgrund dieser Governance-Problematik habe Acatis Grenke-Positionen in den Nachhaltigkeitsfonds verkauft. Der Kurs der Grenke-Aktie bewege sich seit Erreichen des Tiefstandes von rund €30 nicht mehr weiter nach unten. „Der Shortseller muss sich nun wieder am Markt eindecken. Das wird die Kurse nach oben treiben. Das Vertrauen des Kapitalmarktes ist aber noch nicht wieder da“, so Acatis. „Erst mit Eintreffen der Gutachten, erst mit dem Abschluss der BaFin-Untersuchung werden die bisherigen Investoren wieder zurückkehren.“ 

9. Die Hoffnung auf eine Klage 

Acatis hat zusammen mit der Kanzlei Heuking Kühn geprüft, ob sie im Namen ihrer Anleger gegen den Short Seller klagen können. „Leider schützt das deutsche Recht den Anleger zivilrechtlich kaum. Außerdem fehlt uns der Gegner. Ohne Absender keine Klagezustellung, und selbst im Erfolgsfall haben wir vielleicht am Ende nur einen leeren Briefkasten für die Pfändung“, so das Unternehmen. 

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