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Hendrik Leber über Grenke: „Wir haben kräftig eingekauft!“

Sein Unternehmen gehört zu den wichtigsten Investoren beim Baden-Badener Unternehmen, das Ziel einer Short-Attacke geworden ist.

Hendrik Leber über Grenke: „Wir haben kräftig eingekauft!“

Hendrik Leber, Fondsmanager und Gründer von Acatis, hält den Abverkauf der Grenke-Aktie wegen der Shortseller-Attacke für eine Kaufgelegenheit. „Das ist ein guter Discount. Wir haben kräftig eingekauft“, sagt er im Gespräch mit Citywire Deutschland. Derzeit halten fünf Aktien- und Mischfonds von Acatis die Aktie. Dienstag und Mittwoch habe die Firma über alle Fonds hinweg rund 600.000 Anteile des Unternehmens erworben. „Dabei geht es nicht um Rebalancing“, präzisiert Leber, „wir haben die Positionen aktiv aufgestockt.“

Den Report des britischen Shortsellers Fraser Perring hält Leber für eine Collage aus unterschiedlichen Punkten, die kein stimmiges Gesamtbild ergeben. „Wir glauben, dass die Vorwürfe billig sind. Es mag hier und da Streitpunkte geben, aber das rechtfertigt für mich nicht die Attacke. Mir fehlt das Handlungsmuster und das kriminelle Element“, sagt er. „Natürlich kann man sich nie zu 100% sicher sein, aber bisher sehe ich nicht, dass Grenke mit Wirecard vergleichbar ist“, sagt Leber, der die Wirecard-Aktie in allen Acatis-Fonds 2018 wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit verkauft hatte.

Auch auf einzelne Vorwürfe geht Leber ein. Der Goodwill in der Bilanz sei „ein Klacks“. Grenke selbst hatte bereits in einer ersten Stellungnahme darauf hingewiesen, dass sich ein Großteil der liquiden Mittel – genau €761 Millionen – auf einem Konto der Deutschen Bundesbank befinden. Auch die Rückstellungen, die das Unternehmen für mögliche Ausfälle gemacht habe – ein Kritikpunkt des Shortsellers Barry Norris, der sich gegenüber Citywire kritisch über Grenke geäußert hatte –, seien rechtlich unproblematisch und nach Lebers Einschätzung wahrscheinlich auch ausreichend. „Das Unternehmen hat nach der Finanzkrise 2008 bei der Einschätzung von Ausfällen Fehler gemacht und daraus gelernt“, sagt Leber. Zudem handle es sich um ein Familienunternehmen, das Wolfgang Grenke selbst aufgebaut habe und an dem die Familie über eine Beteiligungsfirma mehr als 40% der Aktien halte. Das geht auch aus einer Aufstellung vom 2. April auf der Webseite hervor, laut der Acatis damals mit 5,02% aller Aktien der drittgrößte Anteilseigner war.

Acatis hat erstmals 2009 Aktien von Grenke gekauft. Seitdem verfolgt Leber die Entwicklung des Unternehmens. Er findet das Geschäftsmodell überzeugend. „Das ist ein Cookie-Cutter-Ansatz“, sagt er. Zwar sei das Geschäft nicht unbedingt innovativ, und theoretisch gäbe es auch viele Mitbewerber. Doch zum einen vernachlässigen viele Banken diesen speziellen Leasing-Markt, und zum anderen habe Grenke ein „elegantes System“ entwickelt, um das Geschäft bequem und profitabel abzuwickeln.

Leber weist daraufhin, dass er für die Leasingsparte eines Autoherstellers selbst einmal als Berater tätig war und dadurch Einblicke ins Leasing-Geschäft erhalten habe. Zwar sei es theoretisch möglich, dass auch andere Firmen diesen Markt für sich entdeckten. Tatsache sei aber, dass dies oft nicht geschehe. „In solchen vergessenen Nischen lassen sich oft gute Margen erwirtschaften“, sagt er. Zudem hält er die Wachstumsaussichten des Unternehmens für interessant. „Dieses Unternehmen hat noch einen guten Runway“, sagt Leber.

Zu den Acatis-Fonds, die bei Grenke investiert sind, gehört unter anderem der Acatis Gané Value Event Fonds, der von Uwe Rathausky und Henrik Muhle (beide Citywire-Rating A) gemanagt wird, hatte zum 15. September eine Position von 4,09% des Portfolios. Der Acatis Fair Value Aktien Global, für den Leber selbst als Fondsmanager gelistet ist, hatte Ende August eine Position von 3,0%. Der Acatis Aktien Deutschland ELM, bei dem Christoph Gebert und Frank Lübberstedt als Berater fungieren, hatte Ende Juli laut Morningstar eine Position von 3,82%. Im Factsheet von Ende August taucht das Unternehmen allerdings nicht mehr in den Top-10-Positionen auf.

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