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Matthias Born bleibt bei Wachstumsaktien

Nach dem Biden-Sieg und guten Impfstoffnachrichten könnten Anleger versucht sein von Growth auf Value umzuschichten. Das wäre ein Fehler meint Mathias Born.

Matthias Born bleibt bei Wachstumsaktien

Chris Sloley ist Chefredakteur bei Citywire Selector.

Der Durchbruch bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen und der Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl hat dazu geführt, dass viele Investoren darüber nachdenken, ob sie in Value-Titel umschichten sollen. Matthias Born, Head of Investments & Head of Portfolio Management Equities bei Berenberg (Citywire-Rating AAA), meint: Tun Sie das nicht!

In einem Gespräch mit Citywire Selector, einer Schwesterseite von Citywire Deutschland, sagte Born, dass Finanzwerte und andere Bereiche zwar von der Value-Rallye seit dem 9. November profitiert haben, er aber weiterhin nicht in diese Sektoren investieren werde.

Born meinte jedoch, Value werde sich als wichtiges Gesprächsthema erweisen. Er ermutige dennoch Anleger, an ihren Grundüberzeugungen festzuhalten, aber in Erwägung zu ziehen, Gewinne zu kassieren, wo dies sinnvoll sei.

„Obwohl es sich insgesamt nicht um einen Wendepunkt handelt, würde ich sagen, dass der Unterschied in der Performance einiger Value- und Wachstumsaktien offensichtlich ist, aber auch zwischen den Corona-/Lockdown-Gewinnern und Lockdown-Verlierern“, sagt Born.

Mit Blick auf seine beiden Fonds, den Berenberg European Focus Fund und den Berenberg Eurozone Focus Fund, sagt Born, dass es im Hinblick auf Sektoren eine starke Streuung gebe, da europäische und US-amerikanische Technologieaktien stark von den Ausgangssperren profitiert hätten, während andere Titel negativ betroffen waren.

Born meint, dass die jüngste Rallye, die seiner Meinung nach schon seit einiger Zeit abzusehen war, eine gewisse Rückkehr zum Mittelwert mit sich bringe: „Ich denke, das macht kurzfristig sehr viel Sinn. Längerfristig denke ich, dass viele der zugrunde liegenden Treiber, die bereits vor Corona Wirkung entfaltet haben, nicht verschwinden werden. Wir werden nur eine Mean Resersion nach den Großen Performance-Unterschieden haben, die wir seit März gesehen haben. Mit Sicherheit wird sich einiges davon umkehren. Aber die zugrundeliegenden Triebkräfte vieler Unternehmen werden im Gesundheitssektor, im Technologiesektor, im Verbrauchersektor und in einigen anderen Bereichen weiterhin vorhanden sein. Ich würde meinen Stil nicht ändern.”

IT und Gesundheitswesen dominieren die Positionierung in seinen beiden Strategien, wobei beide Sektoren Ende Oktober mehr als 20% der Portfolios ausmachten. Finanzwerte und Materialwerte, die stark zugelegt hatten, machen weniger als 10% des jeweiligen Portfolios aus.

Ausstieg bei SAP

Obwohl Born vor umfassenden Veränderungen warnt, ist er nicht untätig gewesen. Er hebt hervor, dass der deutsche Softwareriese SAP zum ersten Mal, seit er sich erinnern kann, aus der Liste der Top-10-Holdings herausgefallen ist. Er betont jedoch, dass dies eine unternehmensspezifische Entscheidung sei.

„Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren ist SAP nicht einer meiner Top-10-Namen im Portfolio”, sagt er. „Ich glaube, dass die Schritte, die das Management unternimmt, auf längere Sicht richtig sind. Ich war aber überrascht über das Ausmaß der Auswirkungen auf die Margenseite. Ich war auch überrascht von der Tatsache, dass das Cloud-Geschäft im gegenwärtigen Umfeld nicht stärker profitiert. Ich verstehe die Gründe dafür, und dennoch finde ich es enttäuschend.” In den USA korrigierten dagagen einige der Cloud-Anbieter in den USA ihre Prognosen und Wachstumsperspektiven nach oben korrigieren.

Born sagt, SAP habe eine Reihe von Management-Herausforderungen, und glaubt, dass es für die nächsten zwei Jahren auf dem derzeitigen Kurs vielleicht nicht wachsen werde. Danach könnte das Unternehmen wieder von den Cloud-Einnahmen profitieren, so Born.

Laut Morningstar hatte SAP Ende September einen Anteil von 3,52% an dem Berenberg European Focus Fund, bevor das Unternehmen aus den Top 10 herausfiel. Auf dem zehnten Platz steht derzeit Infineon Technologies mit 3,10%. Demnach ist die Gewichtung der SAP-Aktie mindestens 0,42 Prozentpunkte gesunken.

Weitere Umschichtungen

Außerdem hat Born sein Engagement beim niederländischen Zahlungsverkehrdienstleister Adyen reduziert, dessen Bewertung über ein für Born vertretbare Niveau gestiegen war. Stattdessen hat er sein Engagement bei Prosus erhöht. Der Portfolioanteil im European Focus Fund steigt damit auf von 3,94% im September auf 4,57%, so Morningstar. Im Fonds Eurozone Focus beträgt der Anteil 5,49% nach 4,87% im Vormonat.

„Für uns gibt es zwei Punkte für diesen Investment Case: Zum einen steht Naspers hinter Prosus, und zum anderen ist die Hauptinvestition von Prosus Tencent und einige andere Internet-Unternehmen. Uns gefällt der Investment-Ansatz der Firma, weil sie im Internetbereich langfristig denkt”, sagt Born.

Born mag das Engagement bei Tencent und Delivery Hero, das zu 22% Prosus gehört. Er sagt, der Prosus erlaube auch ein breites Engagement in verschiedenen anderen Wachstumsaktien, während man gleichzeitig in ein solides eigenes Geschäft investiert, anstatt einfach nur eine Holdinggesellschaft zu besitzen.

Der Fonds Berenberg Eurozone Focus erzielte in den drei Jahren bis Ende Oktober 2020 eine Rendite von 27,7%. Seine von Citywire zugeordnete Benchmark, der MSCI EMU GR USD, verlor im gleichen Zeitraum 9,6% in Euro. Der Berenberg European Focus Fonds erzielte in den drei Jahren bis Ende Oktober eine Rendite von 30,8%.

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