Citywire - Für professionelle Investoren

Porträt: Wie Lunis das Anlagevermögen verdoppeln will

Die Lunis Vermögensmanagement ist in Eile gegründet worden und seitdem rasant gewachsen. Andreas Brandt hat ambitionierte Ziele für das Unternehmen – und setzt auf eine Konsolidierung durch die Coronakrise.

Porträt: Wie Lunis das Anlagevermögen verdoppeln will

Seit über 25 Jahren geht Andreas Brandt gerne in den Dorfkrug Volksdorf, ein Restaurant in einem Freilichtmuseum am nordöstlichen Stadtrand von Hamburg. Brandt mag den bodenständigen Charme des 1759 erbauten, reetgedeckten Bauernhauses und das persönliche Ambiente. Ein Stück Sylt in Hamburg soll das Lokal laut der eigenen Webseite bieten. Vom Gastroführer Michelin ist es als Feinschmecker-Restaurant mit besonders gutem Preisleistungsverhältnis ausgezeichnet worden. „Für mich steht das Restaurant für Nachhaltigkeit, Tradition, aber auch Vertrauen über Generationen hinweg. Das sind auch die Werte von Lunis“, sagt Brandt. Mit den Pächtern, der Familie Daub, ist er seit Langem befreundet.

Auch mit dem Aufsichtsrat der Lunis Vermögensmanagement hat sich Brandt schon in dem Restaurant getroffen. Vor dreieinhalb Jahren hat er das Unternehmen als Aktiengesellschaft gegründet; gemeinsam mit der New Yorker Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers & Co. und Christoph Lieber, früher Deutschlandchef der St. Galler Kantonalbank und mittlerweile geschäftsführender Gesellschafter bei Habbel, Pohlig & Partner in Wiesbaden. Heute betreibt Lunis sechs Niederlassungen und verwaltet rund €1,5 Milliarden für private und institutionelle Kunden. Geht alles nach Plan, sollen die Assets under Management bis Ende 2023 auf rund €3 Milliarden wachsen. Zum Angebot gehören neben der Vermögensverwaltung unter anderem auch Private Equity und Family-Office-Dienstleistungen.

Ein lang gehegter Traum

Brandt ist Vorstandsvorsitzender der Firma, leitet die Hamburger Niederlassung und ist am Unternehmen mit knapp 10% beteiligt. Seit den 80er Jahren arbeitet er in der Bankenbranche, unter anderem war er sechs Jahre als Vorstandsvorsitzender der Credit Suisse (Deutschland) tätig und gut fünf Jahre als Generalbevollmächtigter der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin für Deutschland. Als die Bank 2017 ihr deutsches Private-Banking-Geschäft aufgab, bot sich Brandt die Möglichkeit, sich einen lange gehegten Traum zu erfüllen. Die Firmengründung war eine „Once-in-alifetime-Chance“, sagt der gebürtige Hamburger. „Aber wir mussten das Unternehmen in Windeseile aufstellen, um die Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten.“

Im März 2017 ist Lunis in Frankfurt als Aktiengesellschaft gegründet worden. Zunächst schlüpfte das Unternehmen unter das Haftungsdach von NFS Netfonds, beantragte aber gleichzeitig eine 32erLizenz. Rund 20 Mitarbeiter, mit denen Brandt teilweise schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammengearbeitet hatte, wurden übernommen. Als J. Safra Sarasin ihren Private-Banking-Kunden in Deutschland zum 15. Mai kündigte, stand Lunis bereit, um ihre Portfolios zu übernehmen.

Eine alte Vertraute stößt dazu

Seitdem hat sich Lunis rasant entwickelt. Ende 2017 erhielt das Unternehmen die 32er-Lizenz. Im Herbst 2018 verließ Gründungspartner Christoph Lieber die Firma. Er hatte den Kontakt zu J.C. Flowers eingebracht, weil er damals ein Portfolio-Unternehmen der Private-Equity-Firma leitete, die Vall Banc in Andorra. Seit November 2018 arbeitet er laut LinkedIn als Chairman & Co-Founder bei Paladino Insurtech, einem Fintech in Zürich, und ist seit Dezember 2019 außerdem geschäftsführender Gesellschafter bei Habbel, Pohlig und Partner.

„Ich danke Christoph Lieber für seine wichtige Aufbauarbeit und gute Partnerschaft“, ließ sich Brandt damals zitieren. Lieber erklärte, dass er sich auf neue Private-Equity-Projekte und Unternehmensgründungen konzentrieren wollte. An seiner Stelle holte Brandt eine alte Vertraute, Ulrike Zander, für die Marktfolge in den Vorstand. Die beiden kennen sich bereits seit ihrer gemeinsamen Zeit bei Credit Suisse (Deutschland), wo Zander von 2002 bis 2013 tätig war und unter anderem als Leiterin Business Support den Stabsbereich des CEO verantwortete und der erweiterten Geschäftsführung angehörte. Im Herbst 2013 folgte sie Brandt zu J. Safra Sarasin und verantwortete dort das Business Development.

Ein geplatzter Deal

Im Dezember 2018 veröffentlichte Lunis dann eine Pressemitteilung, die es in sich hatte. Die Frankfurter Finanzgruppe Youmex wollte 87,5% der Lunis-Anteile übernehmen. Der Großteil stammte von J.C. Flowers, deren Anteil sich durch Kapitalerhöhungen auf mehr als 80% erhöht hatte. Ein Kaufvertrag war bereits unterschrieben. In der Pressemitteilung erklärte Youmex-Gründer Kai Hartmann, dass Lunis als „regulatorische Plattform für das Asset Management“ der Holding dienen sollte. J.C. Flowers wollte sich aus der Rolle des Haupteigentümers zurückziehen, der Firma aber partnerschaftlich verbunden bleiben.

Ende 2019 folgte die zweite Überraschung: Der Deal platzte, weil sich Youmex und J.C. Flowers nicht auf die Bedingungen einigen konnten. „Wie Sie damals bei Citywire geschrieben haben: Beide Seiten machten von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch“, sagt Brandt. Bei Neuverhandlungen konnte innerhalb der dafür vorgesehenen Zeit keine Einigung hinsichtlich der neuen Bedingungen erzielt werden. Stattdessen entschloss sich die von einem ehemaligen Goldman-Sachs-Partner gegründete Private-Equity-Gesellschaft, langfristig an Bord zu bleiben. „Mit J.C. Flowers haben wir einen fantastischen Investor, der von Lunis überzeugt ist“, sagt Brandt.

Wachstum durch Zukäufe

Die Amerikaner sind auch die, die das nötige Kapital bereitstellen, um Brandts Wachstumsstrategie umzusetzen. „Derzeit liegen wir mehr als im Plan“, sagt er. 2019 und damit früher als erwartet sei Lunis profitabel geworden. Die Zielvorgabe, das verwaltete Vermögen bis Ende 2023 auf drei Milliarden Euro zu steigern, ist aber nur mit Zukäufen erreichbar. Ganze Teams und Standorte könnten hinzukommen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Die Branche sei reif für eine Konsolidierung, meint Brandt: „Bisher hat sich in dieser Hinsicht wenig getan. Aber im Hintergrund passiert eine ganze Menge.“

Hier und da, so deutet er an, führe Lunis Gespräche mit verkaufswilligen Unternehmen. Auf die Frage nach konkreten Details lächelt Brandt vielsagend: „Wir werden uns zu gegebener Zeit äußern.“ Die Pandemie könnte ihm dabei durchaus in die Karten spielen. „Es würde mich überraschen, wenn die Krise die Branche nicht verändern würde – aber das muss man im Einzelnen sehen“, sagt er. Daneben will Lunis auch organisch wachsen. Anfang 2019 wurde der Stuttgarter Standort eröffnet. Zur Kernmannschaft, die 2017 von J. Safra Sarasin kam, stießen weitere Mitarbeiter hinzu, sodass Lunis Ende 2018 36 Mitarbeiter beschäftigte und Ende des vergangenen Jahres 39 Mitarbeiter. Weitere Einstellungen sind noch dieses Jahr geplant.

Ein People’s Business

Durch das Krisenjahr 2020 ist Lunis bisher nach eigener Darstellung gut gekommen. Früher als erwartet hat man die Profitabilitätsgrenze überschritten. Coronafälle hatte die Firma nicht zu beklagen, und die Portfolios haben laut Brandt insgesamt solide performt. Redebedarf hatten die Kunden trotzdem. „Ich würde nicht von Panik sprechen, aber von Unsicherheit. Es gab im Frühjahr ja viele Fragen: Wie viele Erkrankungen wird es geben? Was bedeutet das für die Wirtschaft?“ Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Brandt selbst reist wieder annähernd so oft wie vor den Ausgangsbegrenzungen zu den Lunis-Niederlassungen in ganz Deutschland. „Angenehm ist es nicht, bei 30 Grad mit Mundschutz zu reisen. Aber Vermögensverwaltung ist nun einmal ein People’s Business – eine Videokonferenz kann das persönliche Gespräch nicht ersetzen.“

Ein wichtiges Standbein, das Lunis von vielen anderen unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland unterscheidet, ist das Private-Equity-Geschäft. Seit 1999 hat sich Brandt ein Netzwerk in diesem Bereich aufgebaut, damals war er noch bei der Credit Suisse. „Rund zehn bis 15% unserer Kundengelder sind in dieser Assetklasse investiert“, sagt er. Vor allem sind es amerikanische Limited Partnerships und dort die Sektoren Technologie und Biotechnologie, zu denen Lunis Zugang hat. Aber auch in europäische Vehikel legt Lunis an.

Private Equity sei ein Beziehungsgeschäft, das von gewachsenem Vertrauen lebe, sagt Brandt: „Die amerikanischen Partner - ships haben ja nicht auf die deutschen Investoren gewartet, und die Summen, die wir hier einbringen, sind im Verhältnis zu anderen Investoren teilweise auch verhältnismäßig klein.“ Lunis poolt die Gelder seiner Kunden, um auf die erforderlichen Summen zu kommen und trotzdem diversifiziert anlegen zu können. Zwar können Lunis-Kunden auch in Fonds von J.C. Flowers investieren, Einfluss nehme der Mehrheitsaktionär aber nicht. „Ins operative Geschäft mischt sich J.C. Flowers nicht ein“, sagt Brandt.

Arbeit mit dem Sohn

Auf Fragen nach seinem Privatleben reagiert Brandt hanseatisch reserviert. Die Familie sei ihm wichtig, sagt er. Zwei Kinder hat er, eine 17-jährige Tochter und einen 21 Jahre alten Sohn, der studiert und sich an der Seite seines Vaters bei Lunis einbringt. „Er hat vor allem Spaß am Private-Equity-Geschäft und kann uns mit seinem Wissen im Bereich Technologie unterstützen“, sagt Brandt. Es bereite ihm Freude, dass sein Sohn Interesse am Geschäft zeigt.

Über drei Jahre widmet sich Brandt jetzt schon dem Unternehmen. Der Arbeit in der eigenen Firma kann er viel abgewinnen. „Anders als bei einer großen Bank, bei der Themen, mit denen wir überhaupt nichts zu tun haben, auf unsere Reputation abfärben, haben wir hier alles selbst in der Hand.“ In zwei Jahren wird der Aufsichtsrat entscheiden, ob sein Vertrag verlängert wird. „Ich würde mich freuen, das Unternehmen die nächsten Jahre weiter zu entwickeln“, sagt er. Wo er darauf anstoßen würde, ist klar. Und auch das eine oder andere Geschäftsessen dürfte dann noch im Dorfkrug Volksdorf stattfinden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der 63. Ausgabe des Citywire-Deutschland-Magazins.

Um diesen Beitrag zu lesen, bitte

Diesen Artikel teilen

dot
dot
Weitere Nachrichten
dot